mein umzug in die shell

Nachstehend, ein Artikel den ich im linuxlog vor einiger Zeit veröffentlicht habe:

Ich hatte es eigentlich ganz wohnlich! Ein relativ großräumiges Gnome Apartement mit hübsch-designter Tapete und allerlei G-desklets um den Raum die gewisse Eye-Candy Würze zu geben. Überall im Raum verteilt waren Schubladen und Schalter über die ich auf alle wichtigen Dinge zugreifen konnte. Aber irgendwann schaute ich mich in diesem Raum um und merkte, dass es mir einfach zu vollgestellt war …

Weniger ist manchmal mehr.

Die Rede ist natürlich von der grafischen Oberfläche meines Linux-Systems. Damals noch mit Ubuntu, richtete ich wie gesagt mein Gnome so häuslich ein, dass ich mich wohlfühlen konnte. Es waren reichlich Stausanzeigen auf meinem Desktop vorhanden, überall waren herausfahrbare Schaltflächen und die Maus war weiterhin ein wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil meines PC-Alltaglebens. Die Kommandozeile benutzte ich eigentlich nur um ab und zu mal Ausgaben und Fehlermeldungen von Programmen zu sehen die sich über den Tastenkürzel “STRG+F2″ einfach nicht starten ließen.

Irgendwann hatte ich mich dann auch im #penguins-de Channel eingelebt und traf Menschen die ganz und gar auf diese grafischen Spielereien verzichteten und möglichst viel oder sogar ausschließlich mit der Konsole arbeiten. Das machte mich stutzig und neugierig und so schaute ich einfach mal ob ich das denn auch könnte.

Ich wollte primär einfach ein wenig mehr über Linux herausfinden und mich vielleicht auch außerhalb meines Home-Verzeichnisses zurechtfinden.
Es ist ziemlich erschreckend wie alleine und hilflos man sich im Verzeichnisbraum von Linux fühlen kann wenn man ungeübt ist und ganz und gar auf die Maus verzichten muss.

Zum Glück jedoch gibt es überall im IRC nette Menschen die einem gerne beim Umstieg auf die textbasierte Seite von Linux helfen und Mut machen es doch weiter zu versuchen wenn etwas auf Anhieb nicht klappt.

Der Umstieg:

Ich machte also einfach mal eine Konsole auf und schaute mich mal um. Als altes “DOS-Kind” kannte ich mich ja schon ein wenig in der textbasierten Welt eines Systems aus und konnte dieses Wissen zum Teil auch praktisch in Linux anwenden denn das wichtigste in der Konsole sind natürlich die wichtigsten befehle parat zu haben. Um sich im Dateisystem von Linux zurechtzufinden und die wichtigsten dateibezogenen Änderungen an einem Linux System vornehmen zu können, sollte man sich eingehend mit folgenden Befehlen beschäftigen:

(”|befehl| –help” gibt einen kurzen Hilfetext und “man |befehl|” das virtuelle Handbuch eines Befehls aus)

- ls -> Gibt den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses aus.
- cd -> wechselt in das angegebene Verzeichnis
- cd .. -> wechselt in das übergeordndete Verzeichnis zurück
- mv -> Benennt die Datei um oder verschiebt sie
- cp -> kopiert eine Datei in das angegebene Verzeichnis
- less -> Gibt den Inhalt einer Datei Seitenweise in der Konsole aus
- cat -> Gibt den Inhalt einer Datei auf den Standard-Output aus.
- mkdir -> Erstellt ein Verzeichnis
- rmdir -> Löscht ein Verzeichnis
- rm -> löscht eine Datei
- find -> sucht in dem angegebenen Pfad nach einer Datei

Diese Befehle sollten für den Anfang auf jeden Fall reichen um sich einigermaßen in der Konsole und der Linux Verzeichnisstruktur zurecht zu finden. Kommen wir nun zu den Programmen und Anwendungsgebieten die man mit der Konsole abdecken kann:

Textbasierte HTML Browser:

:: Lynx -> kleiner und schneller Textbrowser der sehr verbreitet ist.
:: elinks -> Textbrowser der Tabellen unterstützt
:: w3m -> Textbrowser den man mit den Pfeiltasten eine Maus “emuliert”

IRC, ICQ, Jabber & Co

:: IRSSI -> ein genialer IRC-Client, bis aufs kleinste Detail veränderbar
:: Bitchx -> ebenfalls ein IRC-Client, jedoch nicht ganz so anpassungsfähig
:: CenterICQ -> Ein all-in-one Tool das die Dienstprotokolle
–> ICQ, yahoo-massenger, msn, aim, irc, jabber, Lj und gg unterstützt.

Email

:: Mutt und Muttng -> Email Clients die ebenfalls sehr anpassungsfähig sind.
:: fetchmail -> Programm das die Emails vom Server herunterläd
:: procmail -> filtert und sortiert die heruntergeladenen Emails
:: sendmail und ssmtp -> sendet Emails über das protokol smtp
:: spamassassin -> filtert Spam aus den heruntergeladenen Emails
:: Gpg -> Email Verschlüsselungsprogramm

Newsgroups und RSS

:: Snownews -> sehr netter Newsfeed-Reader
:: slrn -> (NNTP) Newsreader

Multimedia

:: mp3blaster -> sehr einfacher und genialer Audioplayer
:: orpheus -> ebenfalls ein guter und einfach zu bedienender Audio Player
:: mplayer -> Video-Player der auch über den Frambuffer läuft
:: motion -> Erkennt Bewegungen durch die Webcam
:: streamripper -> schneidet Live-Streams als mp3 mit
:: rec -> zeichnet wav dateien auf (Input: z.B Mikrofon)
:: cdplay -> Spielt wav Dateien ab (von CD z.B)

File Tranfer und Remote-Control

:: wget -> unglaublich mächtiges Tool um Downloads zu starten
:: bittornado -> Bittorrent Client sehr simpel aber effektiv
:: ftp -> einfacher FTP Client mit eindeutigen befehlen
:: scp -> SCP Client umd dateien via scp zu versenden
:: ssh -> SSH Client um per Remote auf andere Pcs zuzugreifen.
:: telnet -> Telnet Client

Editoren

:: VI bzw. VIM -> sehr mächtiger aber gewöhnungsbedürftiger Editor
:: Joe -> kleiner, schlanker und leicht zu Bedienender Editor
:: Nano -> ebenfalls klein schnell und unkompliziert

File-Browser

:: mc - Midnight Commander ein Norton-Commander Clon

Wie man sieht ist die Auswahl an Konsolenanwendungen wirklich reichlich und nach einer gewissen Zeit findet man auch das passende für sich. Denn die Ansprüche und Geschmäcker sind ja wie man weiß verschieden.

Installationen

Gerade in der heutigen Linux-Welt haben sich mehr und mehr grafische Installationsassistenten durchgesetzt, die einem dabei behilflich sein sollen, Programme aus dem Netz zu laden und zu installieren. Bei Suse nimmt man dazu Yast, bei Ubutu Synaptic usw.

Das Ganze kann aber aber natürlich auch über die Konsole erledigen. Die dazu benötigten Programme sind je nach Distribution sehr verschieden, auch wenn sie in der Grundfunktion das selbe erledigen:

- Suse -> Yast
- Fedora Core x -> Yum
- Ubuntu -> apt
- Debian -> apt
- etc.

Da ich Ubuntu verwendet habe und nun Debian verwende, will ich in diesem Artikel jedoch nur auf “apt” eingehen:

APT

Apt ist wie gesagt ein Programm, dass auf einen oder mehrere Server zugreift, auf Anfrage ein Programmpaket sucht und oder installiert. Die Quellenangaben auf welche Server Apt zugreifen soll, befinden sich in der Datei “/etc/apt/sources.list”, die natürlich editer und frei konfigurierbar ist.

Um ein Programm über apt zu suchen, aktualisieren wir erst einmal die Paketdatenbank. Dies tun wir mit “apt-get update”. Ist das Update abgeschlossen, können wir ein Paket mittels “apt-cache search ” suchen. Ist das Programm das wir suchen verfügbar, können wir es über “apt-get ” installieren.

Ist das Programm über die Suche doch nicht zu finden, ist es hilfreich mal eine Datenbank per Browser zu durchforsten, ob nicht doch das Paket auf einem Server zum Download bereit liegt. Hierzu eigenen sich folgende Seiten:

:: apt-get.org
:: Debian Snapshot

wobei letzteres überwiegend ältere Pakete von alternativen Mirror bereitstellt. Ist das gewünschte Paket jedoch auch nach diesem Schritt nicht auffindbar gibt es noch die Möglichkeit, sich das Paket im *.deb Format zu besorgen. Dafür würde ich mich jedoch vor allem Google bedienen.

Hat man das Paket nun, kann man es als Root mit dem Befehl: ” dpkg -i ” installieren.

Platzprobleme

Hat man nun all diese wunderbaren Programme installiert und unzählige Konsolen geöffnet um diese zu starten wird schnell klar das all diese geöffneten Fenster auf der Oberfläche trotz mehreren Workspaces viel zu viel Platz wegnehmen:

Um dieses Problem zu lösen gibt es ein geniales Program namens screen vom Typ Konsolenmultiplexer, welches es ermöglicht, in einer Konsole auf einem Workspace, beliebig viele Shells zu öffnen, verwalten und zwischen ihnen zu navigieren.


Der Auszug aus dem Gnome Appartement

Jetzt hatte ich alle Programme beisammen die ich benötigte und nach tagelangen Konfigurationsorgien mit Hilfe des #penguins-de Channels lief auch alles wie ich es haben wollte. Ich verwendete jedoch immer noch Gnome.

Warum sollte ich jedoch einen WindowManager benutzen, der mir zwar alle möglichen grafischen Features zur Verfügung stellt, ich diese jedoch gar nicht brauche und der auch noch sehr Ressourcen verbauchend ist …?

Diese Frage führte mich dann dazu eine Neuinstallation meines Systems durchzuführen, Debian Sarge zu installieren und von Grund auf nur die Pogramme zu installieren die ich wirklich brauchte.

Nach der Installation des Grundsystems und der Konsolenprogramme die meiner Bedürfnisse entsprachen, arbeitete ich die erste Zeit ausschließlich in der nativen Konsole ohne einen X-Server installiert zu haben. In dieser Zeit lernte ich viel über den Umgang mit Linux und seinem Dateisystem, die Art und Weise wie man an auftretende Probleme herangeht und wie man sie relativ elegant löst.

Das einzige Problem jedoch war, das ich all die schönen Dinge die im grafischen Internet zu sehen waren einfach nicht anschauen konnte und so kam ich doch dazu die grafiche X-Oberfläche auf meinem System zu installieren.

The Final: Der Umzug

Der X-Server lief und ich schaute mir einige Window-Manager an die meinen neuen Bedürfnissen entsprechen sollten:

- klein
- schnell
- übersichtlich
- klar Strukturiert
- anpassungsfähig

Ich probierte Fluxbox, Xfce4, EvilWm, Windowmaker, etc. aber alle waren zwar relativ schnell und nett anzusehen, jedoch immer noch zu grafisch aufwendig und auch das Handling ließ meist zu wünschen übrig. Doch dann hörte ich von WMI und es war Liebe auf den ersten “Klick”.

Denn als ich wmi installierte und das erste mal startete machte ich einen von Fluxbox antrainierten Rechtsklick -> Und es passierte NICHTS. Auch ein Linksklick führte einfach zu Nichts. Der Grund:

WMi - Window Manager Improved - lässt sich komplett und auch fast ausschließlich nur mit der Tastatur steuern. Dieser Window-Manager ist zur Unterstützung der Arbeit unter der Konsole gedacht und diese Aufgabe erfüllt er mit Bravur! Binnen 2 sec ist er geladen und über einen shortcut öffne ich nun eine Shell in der ich mein screen laufen lassen kann, dass meine Standart-Programme automatisch aufruft. Verschiedene Workspaces bringen Ordnung in den Programmalltag und eine freundliche Mail-Anzeige neben der Uhrzeit und Datum lässt mich wissen. ob sich in meiner Mailbox etwas tut.

Fazit

Nach all der harten Arbeit und der Eingewöhnungsphase schau ich mich nun gerne einmal in meinem neuen Appartement um und kann nur sagen:

“Weniger is manchmal mehr!”

In diesem Sinne : Habt keine Angst vor der textdominierenden Seite von Linux. Arbeiten in der Konsole macht Spass und ist meist effizienter und direkter als der Weg den man mit der Maus beschreiten muss. -> Ach Apropos die Maus nutze ich eigentlich nur noch für das grafische Internet und diverse Spiele mit denen ich mich mir die Zeit vertreibe :)


Über diesen Beitrag


  1. root 19.11.2006 / 22:17

    [Hallo:Welt] Das Testkommentar

  2. bofh 21.11.2006 / 1:06

    Funktioniert - Jetzt das Loeschen testen *g*

  3. BasH-Online.com 23.11.2006 / 14:36

    Ein Leben in der Shell

    Ich habe gerade im Blogroll auf Wordpress eine augenscheinlich neue Seite entdeckt. Sie beschäftigt sich mit der Konsole, Shell, Terminal, CLI oder zu Windows: Eingabeaufforderung. (So hieß sie doch, oder?) Es ist kein Zufall, das meine URL n…

  4. meillo 6.12.2007 / 13:46

    Hi Gregor, nachdem es linuxlog.de ja nicht mehr gibt, und das linuxlog-archiv auf usr-local-bin.de nicht so toll ist, möchte ich dich fragen, ob du nicht hier auch die Screenshots vom Orginalartikel einbauen könntest.

    Dieser Artikel hat schließlich _meinen_ Umzug in die Shell ausgelöst, und ich würde gerne darauf verlinken.

  5. CuleX 6.1.2008 / 16:49

    Tss… Spiele mit der Maus! Ein rechter UNIXer spielt Nethack! ;)

  6. Oli 16.1.2009 / 14:47

    Kleiner Tipp: Das graphische Internet laesst sich noch besser ohne Maus meistern, wenn man sich erstmal im Firefox an das Addon “vimperator” gewoehnt hat.

    Ansonsten kann ich nur meinen Respekt fuer eine sehr schoene Seite aussprechen.

  7. indurfip 28.6.2009 / 4:19

    yes that is nice! way to go..

    ICQ

  8. Hans-Gerhard Niehaus 6.8.2009 / 11:55

    Ein sehr schöner Bericht! Danke dafür!

    Mir gab er jetzt mal ein genaueres Bild über das schlanke Leben auf der Shell bzw. im wmi.

    Was mir fehlen würde, wäre Kontact, Soundbearbeitung und eine Fotoverwaltung. Aber das ist halt mein Zeug, das hat nichts mit dem Thema hier zu tun.

    Grüsse aus Herford!

    Hans-Gerhard Niehaus

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